|
|
|
 |
 |
 |
 |
MIT FEUER UND FLAMME BEI DER SACHE |
 |
|
|
19 Jugendliche üben für den Ernstfall Neue Ruhr Zeitung
Sie lesen das "Feuerwehrmagazin" neben "Mickey Maus". Sie kennen sich aus mit Knotenkunde und Kartoffelschälen und wollen in ein paar Jahren alle dasselbe: Brände bekämpfen. Aber noch ist es ein heißes Hobby von 19 Jugendlichen zwischen zwölf und 15 Jahren. Die Unterbacher Jugendfeuerwehr ist die jüngste von vier in der Stadt. Und der Nachwuchs ist mit Feuer und Flamme dabei. Auch wenn er im Ernstfall noch nicht ausrücken darf.
Am Mittwoch übten sie zum ersten mal das Löschen. "Boah, ey" - mehr kann Lars nicht sagen. Soeben hat der Zwölfjährige, festgehalten von Berufsfeuerwehrmann und Freizeitausbilder Reinhard Jäger, mit einem mächtigen Dampfstoß aus dem roten zwölf Kilo-Pulverlöscher die lodernden Flammen in der übungswanne gebändigt; Sicherungssplind herausziehen, Knopf drücken, Hebel hochziehen - wenn's zischt, ist der Löscher einsatzbereit - die 16 Jungs passen auf, auch als Jäger erklärt, welche Löscher es gibt und daß man nicht jeden Brand auf gleiche Art und Weise bekämpfen darf. "Puhh" stöhnt die Gruppe, als plötzlich der Wind dreht und die feine Pulverwolke in die Gesichter bläst. "Spätestens als ich mit der Drehleiter mitfahren durfte, wollte ich zur Feuerwehr", strahlt später Axel Pfeiffer. Wie einige seiner Kameraden schaute der blonde 13jährige beim "Tag der offenen Tür" vor zwei Jahren hinter die roten Schiebetore von Unterbachs Freiwilliger Löschgruppe. Die Mannen haben Nachwuchssorgen, wie in den anderen neun ehrenamtlichen Feuerwehren mit etwa 270 Aktiven zwischen Garath und Wittlar auch. Wenn es in ihrem Einsatzbereich brennt, werden sie immer mitalarmiert : Sie löschten 1997 bei etwa 250 Einsätzen, von etwa 2000 in der Stadt. Neue Leute sind dringend gesucht. Lars, Tilmann, Patrick oder Carol tragen jetzt voller Stolz ihren blauen Dinestanzug. Schwere Schutzstiefel, blaue Latzhose, Arbeitsjacke mit leuchtend orange-farbenen Schultern, breite Ledergürtel, weiße Handschuhe und Schutzhelm: Sie sind komplett bestückt, wie die Großen - nur Löschen dürfen die Jungen nicht nicht richtig. "Haben wir aber schon!" ruft Daniel : " In der Schule hat mal ein Mülleimer gebrannt." Ihre Schulkameraden machen sich oft lustig " Die verspotten uns als Schutzengel'." Aber, "das ist uns auch egal, was die denken", fügen sie trotzig hinzu. Sie denken jedenfalls an die Zukunft : "Wir wollen zur Freiwilligen Feuerwehr !" Mit 17 dürfen sie wechseln. "Ich will zum Wassertrup" sagt Axel, "ich zum Schlauchtrupp" ruft Daniel : "Aber man muß alles können" wissen die zwei - Erste Hilfe, Rettungsknoten, Schläuche ausrollen und einen Löschangriff aufbauen. Und sie lernen Kartoffelschälen. Damit Geld in die Gruppenkasse kommt, verkaufen sie beim Weihnachtsmarkt Reibekuchen - selbstgeschält ; "Da haben die Eltern sich gewundert", lacht Reinhard Jäger. Spaß muß das Training machen, findet der 48 Jahrige, sonst schlagen die flammenden Kinderherzen schnell für etwas anderes. Dreimal im Monat, Mittwochs abends lernen sie Theorie, üben evakuieren oder kontrollieren die Hydranten im Stadtteil. Sie spielen auch Fußball, grillen oder spritzen sich mit den Wasserschläuchen nass. Die Kinder sehen mehr als Jux und Abenteuer. "Ich will Leben retten" sagt der sommersprossige Fabian. Die anderen nicken, blicken ernst und sehen dabei ganz erwachsen aus. Doch gefragt, was sie denn mal löschen möchten, überwiegt in den durcheinanderwirbelnden Antworten wieder die kindliche Begeisterung. "Einen Flugzeugbrand", "nen Waldbrand" und "ein großes Wohnhaus"!. |
|